Home - Schwarze Götter im Exil

Fotos von Pierre Verger und Mario Cravo Neto


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Orixás, auch: Orishas

Im Candomblé *) verehrte Gottheiten, von den verschleppten Sklaven besonders der Yoruba-Völker *) nach Brasilien mitgebracht. In Afrika waren es zu Göttern aufgestiegene Könige, Königinnen, mythische Helden oder andere Vorfahren.

"Ursprünglich ehrte in Afrika jede Gruppe ihre eigenen Vorfahren, und jede Ortschaft war mit einer lokalen Gottheit verbunden, die oft ein Vorfahre der örtlichen Herrscherdynastie war, ein Führer der eigenen Sippe oder jemand, der der Gruppe auf ganz besondere Weise half und beistand. ... In der Diaspora bildete sich aufgrund der veränderten Gegebenheiten ein wahres Pantheon von Gottheiten, mit der Konzentration einer großen Anzahl von Orixá in demselben Terreiro *) als einem mythischen Raum. In erster Linie war es die Aufrechterhaltung eines symbolischen Erbgutes, worauf sich die Verantwortung für die Kontinuität der afrikanischen Weltanschauung im Exil stützte. Es wurde ein Repertoire von Regeln mit dem Anspruch auf Ursprünglichkeit neu gebildet, um die schöpferische Basis der afrikanischen Religiösität zu erhalten." [1]

"Die Orixá sind Offenbarungen der geistigen Macht der höchsten Gottheit Olorun *). Sie sind Vermittler zwischen der höchsten Wesenheit Olorun und den Gläubigen. Die Orixá sind sowohl die Ahnen als auch die Kräfte der Natur." [2]

Die Orixás haben durchaus ihre Schwächen und können Irrtümer und Fehler begehen. In seinem Buch Orixas vergleicht Pierre Verger die Yoruba-Gottheiten in Afrika und der Neuen Welt und ordnet ihnen menschliche Archetypen zu. Jeder Gläubige steht lebenslang unter dem Schutz seines individuell ausgewählten Orixá.

Die Orixás sind eng mit den Kräften der Natur verbunden, wie der Luft, dem Wasser, Bergen, Pflanzen, Tieren. Außerdem gehören zu jeder Gottheit spezifische Attribute: eine Farbe, ein Metall, ein Wochentag, eine Lieblingsspeise, bestimmte Trommelschläge, etc.. Mehrere Orixá erfüllen konkrete Aufgaben und soziale Funktionen, z.B. Xango als Krieger, Oxossi als Jäger, Ogun als Schmied.

In Brasilien und in anderen Ländern Amerikas - so in Kuba in der Santería - wurden die afrikanischen Gottheiten zur Tarnung mit katholischen Heiligen assoziiert, um die Religion trotz des Verbots praktizieren zu können. Im Candomblé Brasiliens entsprechen z.B. Xango dem Hl. Hieronymus und Oxossi dem Hl. Georg (siehe die einzelnen Orixás).

Anmerkungen:

1.

 

Moema Parente Augel: AXÉ - Lebensenergie und sakrale Kraft. Die dynamische Struktur der Welt der Orixá. In: Trigon Nr. 4, Berlin 1994, S. 88

2.

 

ebenda, S. 89

Siehe auch die Links zu Texten unter
>> Glossar: Candomblé

Siehe Fotos, Texte:  >> Candomblé


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Einige Orixás:

Olorun, Olodumaré
höchste Gottheit

Exú
Götterbote, Wächter der
Wege und Opfergaben

Ibêji
Kinder, Spaßes, Fröhlichkeit

Nanã
sehr alte Göttin, lebt im Sumpf

Obaluaé, Omolu
Leiden, Krankheiten

Obatalá, Oxalá
Sohn des Olorun

Ogum
Krieg, Eisen

Osain, Ossaim
Heilkräuter, Medizin

Oxossi
Jagd, Jäger

Oxumaré
Regenbogen

Xango
Feuer, Donner, Blitze

Yansa, Iansa
Frau Xangos,
Gewitter, Sturm, Blitze

Yemanja, Iemanjá
Mutter mehrerer Götter,
Wasser, lebt im Meer