Schwarze Götter im Exil  /  Das Projekt
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Pressemitteilung

Schwarze Götter im Exil

Unter Schirmherrschaft des brasilianischen Kulturministers Gilberto Gil

Fotoausstellung: 2. 9. – 7.11.2004
Eröffnung: 1. September, 19 Uhr, Ethnologisches Museum Berlin-Dahlem, durch Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Kulturminister Gilberto Gil


Schwarze Götter im Exil präsentiert erstmalig in Deutschland mehr als 300 Bilder des französischen Fotografen Pierre Fatumbi Verger (1902–96) sowie die multimediale Fotoinstallation Trance_Territorries des brasilianischen Künstlers Mario Cravo Neto (*1947). Die beiden befreundeten Fotografen drangen tief in die Glaubenswelt der Afrobrasilianer ein und dokumentieren auf faszinierende Weise die kulturellen Praktiken und religiösen Rituale der 'Schwarzen Amerikas'. Sie zählen heute zu den bedeutendsten Fotografen Lateinamerikas, deren Bilder u.a. auch auf den Internationalen Kunstbiennalen São Paulo 2002, Mercosur 2003 und Dak'Art 2004 zu sehen waren.

Vor genau 200 Jahren wurde die Sklaverei auf Haïti abgeschafft und die erste 'Republik schwarzer Bürger' in der Neuen Welt errichtet. Aus diesem Anlass thematisiert Schwarze Götter im Exil den kulturellen Austausch zwischen Europa, Afrika und den Amerikas von der Sklavenzeit bis in die Gegenwart. Der haitianische Voudou, die kubanische Santería und der brasilianische Candomblé erscheinen hier als kulturelles Bindeglied zwischen beiden Seiten des Atlantiks.

Für die mehr als 12 Millionen verschleppten Sklaven und ihre Nachfahren boten die afrikanischen Religionen in ihrer neuen Heimat Strategien der Identitätsfindung und Konfliktbewältigung. In seiner direkten fotografischen Handschrift hielt Pierre Verger die Bedeutung dieser Rituale des Alltags für die modernen kreolisierten Gesellschaften fest. 40 Jahre vor der Formulierung einer Theorie des Postkolonialismus verwirklichte er deren Ansätze bereits als seinen persönlichen Lebensentwurf. Während Pierre Verger in Lateinamerika als einer der bedeutendsten Fotografen und visuellen Anthropologen des 20. Jahrhunderts gilt, blieb er in Europa, das er während des Zweiten Weltkriegs verließ, weitgehend unbekannt.

Diese erste umfangreiche Ausstellung mit Fotografien von Pierre Verger und Mario Cravo Neto in Deutschland versammelt Aufnahmen aus fünf Jahrzehnten und bietet einen einzigartigen Einblick in die afrobrasilianische Lebens- und Glaubenswelt. Die Aktualität ihrer Arbeiten liegt darin, dass sie zu einem neuen Verständnis von Religion und ethnischer Zugehörigkeit in modernen, multikulturell zusammengesetzten Gesellschaften beitragen können.

Schwarze Götter im Exil wird mit einem Ritual des Candomblé-Priesters Balbino Daniel de Aula eröffnet. Seine Kultstätte in einem Vorort Salvadors wurde häufig von Pierre Verger frequentiert. Zahlreiche Fotos von Mario Cravo Neto entstanden ebenfalls dort.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion des Goethe-Instituts und der Stiftung Pierre Verger in Salvador da Bahia in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum Berlin-Dahlem und dem Staatlichen Völkerkunde Museum München.

Bis 2006 wird sie im Museum der Weltkulturen in Frankfurt a.M., im Lindenmuseum Stuttgart, im Museum für Völkerkunde München und in Teilen im Jeu de Paume Paris gezeigt.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Zwei Fotobände zu Pierre Verger und Mario Cravo Neto erscheinen gleichzeitig im Verlag Das Wunderhorn Heidelberg.


Pierre Verger bereiste als international bekannter Fotoreporter für Daily Mirror, Match-Magazine, LIFE, O Cruzeiro, Paris-Soir, La Prensa, Unesco Kurier u.a. alle fünf Kontinente. 1946 trifft er in der Küstenstadt Salvador da Bahia ein, die ihm 50 Jahre lang zur neuen Heimat wird. In seinem Wohnhaus befindet sich heute die Stiftung Pierre Verger mit seiner Bibliothek und einem Nachlass von rund 62.000 Fotografien.
In Deutschland wurde Verger über Hubert Fichte und Eleonore Mau bekannt, deren Bücher 'Xango' und 'Petersilie' mit seiner Hilfe entstanden.

Mario Cravo Neto lernte Fotografie und Skulptur bei seinem Vater, dem Bilderhauer Mario Cravo Junior, der ein enger Freund Vergers war. Cravo Neto lebte in den 60er Jahren in Berlin, danach in New York und seit 1970 wieder in Salvador. Er beschäftigte sich intensiv mit Vergers Werk und kuratierte seine letzte Ausstellung zu Lebzeiten in New York. Cravo Neto erhielt zahlreiche Preise und gilt heute als einer der bedeutendsten Fotografen Brasiliens. Die 160 Bilder seiner Foto- und Soundinstallation Trance_Territories, eine Hommage an Pierre Verger, vermitteln die Ästhetik und Allgegenwart der afro-brasilianischen Religion in Salvador de Bahia. Sinnliche und übernatürliche Erfahrungen, die in der rituellen Praxis des Candomblé zusammenfließen, strukturieren seine Fotos bis ins kleinste Detail.

Glberto Gil, weltbekannter Musiker, Komponist und jetziger Kulturminister Brasiliens, hat die Schirmherrschaft für Schwarze Götter im Exil übernommen. Gilberto Gil war Pierre Verger Jahre lang freundschaftlich verbunden und dokumentierte dessen Leben und Werk in seinem vielbeachteten Film 'Bote zwischen zwei Welten', der in der Ausstellung gezeigt wird.


Weitere Informationen und Fotografien: www.schwarze-goetter-im-exil.de

Kontakt - Goethe-Institut Hauptstadtbüro:
Ulrike Hofmann-Steinmetz, Tel: 030-25906 470 Email: hofmann-steinmetz@goethe.de

Tina Balla, Tel: 030-25906 510, Email: hb-freie@goethe.de

 


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© Veranstalter Schwarze Götter im Exil