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Fotos von Pierre Verger und Mario Cravo Neto


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Grußwort. Pierre Verger - Schwarze Götter im Exil
Katalogbuch zur Ausstellung

Gilberto Gil

Staatsminister für Kultur der Föderativen Republik Brasilien

Pierre Verger war nicht nur ein wunderbarer Mensch und ein begnadeter Fotograf, er war auch ein ständiger Wanderer zwischen den Welten. Mit seinen mehr als 60.000 Fotografien, seinen Reiseaufzeichnungen aus fünf Kontinenten und den wissenschaftlichen Studien über die afrobrasilianische Religion, die er uns hinterlassen hat, schlug er Brücken der gegenseitigen Verständigung zwischen Europa, Afrika und unseren Amerikas.

Ein halbes Jahrhundert lang lebte und wirkte Pierre Verger in meiner Heimatstadt Salvador da Bahia. Der dortigen Künstlerbohème war er so freundschaftlich verbunden wie den Honoratioren der Bahianischen Candomblés *). Vor der Weisheit afrikanischer Priester, die er regelmäßig auf seinen Forschungsreisen besuchte, schien er größeren Respekt zu haben als vor der Spitzfindigkeit Pariser Intellektueller, die ihn gelegentlich in Salvador aufsuchten. In der afro-brasilianischen Religion und Lebenswelt entdeckte Verger nicht nur verschüttet geglaubte Traditionen und Überlieferungen. Er führte uns auch vor Augen, welchen Modernisierungsschub Afrobrasilianer in ihrer ehemaligen Heimat bewirkt haben. Damit brachte er einen transatlantischen Dialog in Schwung, der für längere Zeit versiegt war.

Vergers Werk dokumentiert auf einzigartige Weise, wie sich das kulturelle Erbe Afrikas und Europas in der religiösen Praxis, in Musik, Tanz und theatralischen Ausdrucksformen ständig erneuert hat und dabei half, die gesellschaftliche Wirklichkeit zu bewältigen. Seine Fotos stellen heraus, wie wichtig dabei die ästhetische Komponente für das Selbstbewußtsein ihrer Akteure war und ist. Denn in dem Maße, wie die einstigen Negersklaven und ihre Nachfahren Afrika auf der anderen Seite des Atlantiks aus dem Gedächtnis rekonstruieren und neu 'erfinden' mussten, gestalteten sie die jungen Gesellschaften Brasiliens, der Karibik und Nordamerikas maßgeblich mit.

In diesem Jahr, da die UNESCO der Niederschlagung der Sklaverei vor 200 Jahren in der ersten unabhängig gewordenen Republik Haiti gedenkt, stellen die wunderbaren Fotos meines Freundes Pierre Verger eine Botschaft der Versöhnung zwischen der sogenannten Alten und der Neuen Welt dar.

Für die Realisierung dieses schönen deutsch-brasilianischen Projektes möchte ich mich herzlich bei der Staatsministerin für Kultur und Medien, Frau Dr. Christina Weiss und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Brasilia bedanken sowie bei unseren Freunden vom Goethe-Institut, der Stiftung Pierre Verger und dem Verlag Das Wunderhorn.

Brasilia, 19. Juli 2004

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 Gilberto Gil / + zoom

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