Schwarze Götter im Exil  /  Publikationen  /  Pierre Verger
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Manfred Metzner / Michael M. Thoss (Hrsg.)

Pierre Verger
Schwarze Götter im Exil
Katalogbuch
Format 27,5 x 31,5 cm; 490 sw Abbildungen (Duplex)

352 Seiten, Fadenheftung, mit Schutzumschlag
Mit einem Vorwort von Christina Weiss und und einem Grußwort von Gilberto Gil
Mit Texten von Roger Bastide, Mario Cravo Neto, Emmanuel Garrigues, Gilberto Gil, Édouard Glissant, Erica Jane de Hohenstein, Angela Lühning, Manfred Metzner, Michael Thoss, Pierre Verger u.a.
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Margrit Klingler-Clavijo
Aus dem Französischen von Beate Thill
Euro 49,90 / Sfr 85,50
ISBN 3-88423-223-1

Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2004.
Website mit Bestellmöglichkeit: www.wunderhorn.de


12 Millionen afrikanische Sklaven sollen nach UNESCO-Studien von Europäern in die sogenannte Neue Welt verschleppt worden sein. Die kollektive Erinnerung an diesen größten Menschenraub der Weltgeschichte wurde in rituellen Praktiken wie dem brasilianischen Candomblé, dem haitianischen Voodoo und der kubanischen Santeria trotz Zwangskatholisierung der Sklaven wachgehalten. Der transatlantische Menschenhandel setzte jedoch auch eine weltweite Wanderbewegung in Gang, deren Auswirkungen mittlerweile die nordamerikanischen und westeuropäischen Metropolen erreicht hat.

Kein Fotograf des 20. Jahrhunderts hat diesen Kulturtransfer zwischen Europa, Afrika und den beiden Amerikas so umfangreich erforscht und dokumentiert wie der Franzose Pierre Verger (1902-1996). Während das Werk des Ethnologen, Reporters und Fotojournalisten in Europa nur Insidern bekannt ist, wurde seine Bedeutung als einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts in seiner Wahlheimat Brasilien bereits früh erkannt. Verger spielte eine wichtige Rolle als Wegbereiter der visuellen Anthropologie und Ethnologie und beeinflußte eine ganze Generation von Künstlern, Literaten und Wissenschaftlern beiderseits des Atlantiks. Seine Bilder für Daily Mirror, Life, Paris Match, Paris Soir, Cruzeiro, aber auch seine wissenschaftlichen Arbeiten trugen wesentlich zum Selbstverständnis der multiethnischen Gesellschaften im transatlantischen Dreieck bei.

Vergers analytischer Blick erkannte in kulturellen und religiösen Synkretismen afro-amerikanischer Bevölkerungen Strategien der Konfliktbewältigung und Identitätsfindung, der Aneignung der Moderne in beiden Amerikas. In seiner direkten fotografischen Handschrift hielt er die Bedeutung dieser Rituale des Alltags für die modernen kreolischen Gesellschaften fest.

 

Pierre Verger hat 63.000 Fotografien hinterlassen. Sie sind einzigartige zeit-und mediengeschichtliche Dokumente. Aber gerade die Bilder über afro-brasilianische Götterkulte, die in Brasilien, Cuba, Haiti, Martinique, USA, Nord- und Westafrika entstanden sind, beweisen seine Meisterschaft, die Magie des Augenblicks zu erkennen.

Viele der in der Ausstellung und dem Katalog gezeigten Fotos werden hier zum ersten Mal veröffentlicht. Das Buch enthält außerdem einen ausführlichen Text zu Leben und Werk von Pierre Verger.

Pierre Verger wurde 1902 in Paris geboren. Ab 1932 fotografierte er mit einer Rolleiflex 6x6 Bilder für das Musée d’Ethnographique in Paris. In den dreißiger und vierziger Jahren bereiste er als Bildjournalist Asien, Afrika und Amerika. 1946 ließ er sich in Salvador da Bahia / Brasilien nieder. Von da an widmete er sich der Erforschung der afro-brasilianischen Götterkulte. Sein Hauptwerk erschien 1954 unter dem Titel Dieux d’Afrique. Bis 1996 bereiste er immer wieder den südamerikanischen und den afrikanischen Kontinent und veröffentlichte dazu zahlreiche Fotobände. Zu seinem 100. Geburtstag wurde eine Retrospektive seines Werks in zahlreichen Städten Brasiliens gezeigt. Die Pierre-Verger-Stiftung in Salvador da Bahia betreut seinen Nachlaß und eröffnete 2003 in Salvador eine Pierre-Verger-Galerie.


Die Herausgeber
Manfred Metzner lebt als Verleger und Rechtsanwalt in Heidelberg. Er ist Herausgeber der Philippe -Soupault-Werkausgabe und des fotografischen Werks von Ré Soupault.
Michael M. Thoss studierte in Deutschland und Frankreich. Er arbeitete als Journalist und Übersetzer, bevor er für das Goethe-Institut in Jakarta, Paris und München tätig wurde. Von 1998-2003 war er für den Bereich Bildende Kunst, Film und Medien am Haus der Kulturen der Welt Berlin verantwortlich. Seitdem leitet er das Forum des Goethe-Instituts und kuratierte die Ausstellung "Schwarze Götter im Exil" für sechs deutsche Museen.


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© Veranstalter Schwarze Götter im Exil