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Fotos von Pierre Verger und Mario Cravo Neto


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Vorwort. Pierre Verger - Schwarze Götter im Exil
Katalogbuch zur Ausstellung

Dr. Christina Weiss

Staatsministerin beim Bundeskanzler
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Es ist von einer berührenden Faszination, wie Pierre Verger den Blick auf andere Kulturen schärft. Sein Wunsch war es, die Begegnung mit dem Fremden immer zugleich als eine Begegnung mit sich selbst zu vermitteln. In Zeiten der Globalisierung und in Zeiten eines neuen, gewachsenen Europas sind wir mehr denn je auf diesen vermittelten Zugang zum Anderen, zum Unbekannten angewiesen.

Pierre Verger näherte sich den afroamerikanischen Gesellschaften weder mit wissenschaftlich distanziertem noch mit exotisch-verklärendem Blick. Er versuchte, selbst Teil der von ihm in seinem fotografischen Werk beschrieben Lebens- und Glaubenswelt zu werden. Er bezog die von ihm beobachteten Subjekte der Ethnologie als gesellschaftliche Akteure aktiv in seine Studien mit ein. Für Verger waren die kulturellen und religiösen Synkretismen aktuelle Strategien der Konfliktbewältigung und Identitätsfindung in diesen Bevölkerungsteilen. Das afrikanische Erbe sah er eben nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern verstand es als lebendige Struktur im gesellschaftlichen Transformationsprozess.

Vergers große Leistung ist es, die Ansätze der europäischen Ethnologie des 20. Jahrhunderts einer kritischen Revision unterzogen zu haben. Ich sehe es deshalb auch als ein sehr positives Zeichen, dass das von der Pierre Verger Stiftung de Bahia und dem Forum des Goethe-Instituts initiierte Ausstellungsprojekt in enger Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen für Völkerkunde München, dem Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main, dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, dem Linden Museum in Stuttgart, dem Überseemuseum Bremen und den Goethe-Instituten entstand. Es belegt zum einen das gestiegene Kooperationsinteresse der Museen, zum anderen zeigt es aber auch eine Hinwendung zu dem von Verger vermittelten ethnologischen Ansatz.

Die Ausstellung "Schwarze Götter im Exil", die erstmals in Deutschland im Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt wird, wird durch einen Katalog aus dem Verlag Das Wunderhorn begleitet. Damit hat sich das Verlagshaus in gewisser Weise selbst ein Geschenk gemacht, denn es kann in diesem Jahr auf ein Vierteljahrhundert erfolgreichen und kreativen Publizierens zurückblicken. Dazu gratuliere ich sehr herzlich.

Mit "Wunderhorn" verband man immer besondere Entdeckungen, der Facettenreichtum bei den Veröffentlichungen ist sprichwörtlich geworden, der Verlag selbst zählt schon lange zu einer Perle im deutschen Literaturbetrieb. In dieses Programm reiht sich der Katalog über das Werk Pierre Vergers glanzvoll ein. Bislang fehlte es an einer Publikation über den großartigen Künstler hier in Deutschland. Es ist ein großes Glück, dass der Verlag nun diese Lücke schließt.

Dem Leser und Betrachter des Katalogs wünsche ich viele tiefe und beglückende Begegnungen mit Pierre Verger. Und der Ausstellung zahlreiche begeisterte Besucher.

Berlin, 5. Juli 2004

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 Dr. Christina Weiss / + zoom

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